January 8, 2026
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Gründung der Bundeswehr – Geschichte, Ursachen und Folgen

Gründung der Bundeswehr

Die Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 war ein einschneidendes Ereignis in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 schien es zunächst unvorstellbar, dass Deutschland jemals wieder über eigene Streitkräfte verfügen würde. Doch der Verlauf des Kalten Krieges, die zunehmenden Spannungen zwischen Ost und West sowie die Einbindung der Bundesrepublik Deutschland in westliche Bündnissysteme führten dazu, dass nur zehn Jahre nach Kriegsende erneut eine deutsche Armee ins Leben gerufen wurde. Die Gründung der Bundeswehr war nicht nur ein militärischer, sondern auch ein politischer und gesellschaftlicher Wendepunkt, der bis heute nachwirkt.


Historischer Hintergrund: Deutschland nach 1945

Nach der Niederlage 1945 war Deutschland vollständig entmilitarisiert. Die Alliierten lösten die Wehrmacht auf und untersagten dem Land jede Form von bewaffneten Streitkräften. Deutschland war in vier Besatzungszonen aufgeteilt, und sowohl in der sowjetischen als auch in den westlichen Zonen stand die Frage nach einer zukünftigen Sicherheitspolitik zunächst nicht zur Debatte.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 änderte sich die Lage. Die neu entstandene Demokratie im Westen stand unter starkem Druck, sich gegenüber der Sowjetunion zu behaupten. Der Ausbruch des Koreakrieges 1950 verstärkte in den USA und den europäischen Nachbarstaaten die Überzeugung, dass eine militärische Verteidigung Europas ohne einen Beitrag der Bundesrepublik nicht möglich war. Damit rückte die Frage nach einer Wiederbewaffnung Deutschlands in den Fokus der Politik.


Der Weg zur Bundeswehr: Politische Entscheidungen

Die Wiederbewaffnung war innerhalb Deutschlands hoch umstritten. Viele Menschen hatten die Schrecken des Zweiten Weltkrieges noch vor Augen und standen der Gründung neuer Streitkräfte skeptisch gegenüber. Bundeskanzler Konrad Adenauer jedoch sah in einer eigenen Armee die Voraussetzung für die Souveränität der jungen Bundesrepublik und ihre gleichberechtigte Integration in das westliche Verteidigungsbündnis.

1950 begann mit der sogenannten Himmeroder Denkschrift die inhaltliche Vorbereitung einer neuen Armee. Ehemalige Wehrmachtsgeneräle erarbeiteten darin Vorschläge für die Struktur, die Aufgaben und die gesellschaftliche Einbindung zukünftiger Streitkräfte. 1954 beschlossen die westlichen Alliierten im Rahmen der Pariser Verträge, der Bundesrepublik die Aufstellung von Streitkräften zu gestatten. Ein Jahr später, am 12. November 1955, wurden die ersten Freiwilligen in die neu gegründete Bundeswehr aufgenommen – dieses Datum gilt offiziell als Gründungstag.


Grundprinzipien der Bundeswehr

Die Gründung der Bundeswehr unterschied sich bewusst von früheren deutschen Armeen. Um Missbrauch und Machtmissbrauch zu verhindern, wurde das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“ entwickelt. Soldaten sollten nicht nur Befehlsempfänger sein, sondern auch verantwortungsbewusste Bürger, die an die Werte des Grundgesetzes gebunden sind. Dieses Prinzip führte zur Inneren Führung, die demokratische Kontrolle und ethische Verantwortung ins Zentrum stellte.

Ein weiteres Merkmal war die parlamentarische Kontrolle. Anders als in der Vergangenheit wurde die Bundeswehr nicht dem Kanzler oder dem Militär allein unterstellt, sondern fest im demokratischen System verankert. Der Bundestag erhielt umfassende Mitspracherechte, und auch der Verteidigungsausschuss sowie der Wehrbeauftragte des Bundestages tragen bis heute zur Kontrolle bei.


Bedeutung der Bundeswehr im Kalten Krieg

Nach ihrer Gründung wurde die Bundeswehr schnell in das westliche Verteidigungssystem integriert. 1955 trat die Bundesrepublik Deutschland der NATO bei, wodurch die Bundeswehr eine zentrale Rolle in der Verteidigungsstrategie gegen die Sowjetunion und den Warschauer Pakt einnahm. In den folgenden Jahren wuchs die Truppenstärke auf über 400.000 Soldaten an, womit die Bundeswehr zu einer der größten Armeen Europas wurde.

Die Bundeswehr war im Kalten Krieg in erster Linie eine Verteidigungsarmee, die auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung vorbereitet war. Übungen, Manöver und die Stationierung von Atomwaffen im Bundesgebiet prägten die Sicherheitsstrategie. Trotz der militärischen Stärke blieb die Bundeswehr fest in die NATO eingebunden, was ihre internationale Akzeptanz stärkte.


Gesellschaftliche Diskussionen und Kritik

Die Gründung der Bundeswehr stieß nicht überall auf Zustimmung. Teile der Bevölkerung sahen in ihr eine Rückkehr zum Militarismus, den man nach 1945 eigentlich überwunden glaubte. Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb die Rolle der Bundeswehr Gegenstand intensiver Debatten – insbesondere während der Nachrüstungsdebatte in den 1980er-Jahren oder bei Auslandseinsätzen nach dem Ende des Kalten Krieges.

Besonders wichtig war die gesellschaftliche Einbettung. Mit der Wehrpflicht, die 1956 eingeführt wurde, wollte man eine enge Verbindung zwischen Gesellschaft und Armee schaffen. Millionen junger Männer leisteten Wehrdienst, was die Bundeswehr zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens machte.


Entwicklung nach 1990

Nach der Wiedervereinigung 1990 veränderte sich die Rolle der Bundeswehr grundlegend. Mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die Bedrohung durch den Warschauer Pakt weg, und die Streitkräfte wurden verkleinert. Gleichzeitig rückten neue Aufgaben in den Vordergrund, darunter internationale Friedenseinsätze und humanitäre Missionen. Heute ist die Bundeswehr eine moderne Armee, die sowohl Verteidigungsaufgaben im Bündnisrahmen als auch Auslandseinsätze im Rahmen der NATO, der EU oder der Vereinten Nationen übernimmt.


FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Gründung der Bundeswehr

1. Wann wurde die Bundeswehr gegründet?
Am 12. November 1955 wurden die ersten Soldaten vereidigt – dieses Datum gilt als offizieller Gründungstag.

2. Warum wurde die Bundeswehr gegründet?
Sie entstand im Kontext des Kalten Krieges, um die Bundesrepublik Deutschland in die westliche Verteidigungsgemeinschaft einzubinden.

3. Welche Prinzipien unterscheiden die Bundeswehr von früheren Armeen?
Das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“, demokratische Kontrolle und die Innere Führung.

4. Wer war Bundeskanzler bei der Gründung?
Konrad Adenauer.

5. Welche Rolle spielte die Bundeswehr im Kalten Krieg?
Sie war ein zentrales Element der NATO-Verteidigung und diente der Abschreckung gegen den Warschauer Pakt.


Fazit: Die Gründung der Bundeswehr als Neubeginn

Die Gründung der Bundeswehr 1955 war ein historischer Neubeginn für Deutschland. Nur zehn Jahre nach der Kapitulation erhielt die Bundesrepublik wieder eigene Streitkräfte – diesmal jedoch eingebettet in ein demokratisches System und internationale Bündnisse. Die Prinzipien der Inneren Führung und der parlamentarischen Kontrolle unterscheiden die Bundeswehr grundlegend von früheren deutschen Armeen. Sie ist damit nicht nur ein militärisches Instrument, sondern auch ein Symbol für die demokratische Neuordnung Deutschlands nach 1945.